

Zahnoperationen: Zement
Zahnoperationen - Zahnextraktion - Hebel - GaisfuĂ - Extraktionsindikation - Komplikationen - Plombieren - Vorbereitung der CavitĂ€t - Trockenhaltung - FĂŒllung - GoldfĂŒllung - Amalgam - Zement - Guttapercha - Glas und Porzellan - Finieren - Konservierende Behandlung - Pulpaentfernung - Putride Pulpa - WurzelkanĂ€le - Zahnstein - Replantation - Zahnregulierung - Zahnpflege - Untersuchung
2. Die Cemente. Wir unterscheiden drei Gruppen von zur FĂŒllung cariöser ZĂ€hne verwendeten Cementen: 1. Die Zinkchlorid-, 2. die Zinksulfat-, 3. die Zinkphosphatcemente. Im Handel bekommen wir alle drei Sorten in kleinen Cartons, die ein FlĂ€schchen Pulver und ein FlĂ€schchen FlĂŒssigkeit enthalten. a) Die Zinkchlorid- (Chlorzink-) Cemente wurden frĂŒher sehr viel verwendet. Es existiren einige verschieden benannte PrĂ€parate, die aber alle die gleiche Zusammensetzung haben: Das Pulver besteht aus weissem oder gelblich-weissem Zinkoxyd, die FlĂŒssigkeit aus einer Lösung von Chlorzink; mischt man ein Quantum von beiden, so erhĂ€lt man eine plastische, bald hĂ€rtende Masse. Man verwendete diese Masse frĂŒher fĂŒr alle FĂ€lle, wo wir jetzt die Phosphatcemente benutzen; dann auch vor allem zum Ueberkappen freigelegter Pulpen, wozu es aber seiner Ă€tzenden Eigenschaften wegen absolut ungeeignet ist.
Heute wird das Material ĂŒberhaupt wenig mehr, höchstens zur AusfĂŒllung der WurzelcanĂ€le und eventuell als temporĂ€re FĂŒllung in weichen ZĂ€hnen, namentlich MilchzĂ€hnen verwendet; bei letzteren zuweilen auch bei freiliegenden Pulpen, wenn wir die Absicht haben, diese abzutödten. FĂŒr alle anderen Zwecke sind die Chlorzinkcemente durch die Zinkphosphate ersetzt worden.
b) Die Gruppe der Zinksulfatcemente wird durch ein einziges PrĂ€parat reprĂ€sentirt, nĂ€mlich durch »Fletcher's artificial dentine« (kĂŒnstliches Zahnbein, beziehungsweise seine Nachahmungen). Das PrĂ€parat besteht aus einem Pulver (calcinirtes Zinksulfat?) und einer FlĂŒssigkeit (wahrscheinlich eine wĂ€sserige Lösung von Gummi arabicum mit etwas Glycerin, Borax, einer Spur Laudanum und etwas Carbol); die FlĂŒssigkeit schmeckt schwach nach Carbol und ist nicht Ă€tzend. Mischt man ein wenig FlĂŒssigkeit und Pulver zusammen, so erhĂ€lt man eine Masse, die ziemlich rasch erhĂ€rtet, so dass man sich mit dem EinfĂŒhren derselben in die CavitĂ€t beeilen muss. Das PrĂ€parat verdirbt leicht an der Luft, wenn man es nicht gut verkorkt aufbewahrt; im letzteren Falle behĂ€lt es seine guten Eigenschaften jahrelang bei. Ein verdorbenes oder durch Schmutz verunreinigtes PrĂ€parat hĂ€rtet sehr langsam oder auch gar nicht. Der Pulpa gegenĂŒber verhĂ€lt sich Fletcher's artificial dentine absolut indifferent, so dass wir freigelegte Pulpen damit ĂŒberkappen können; der Gehalt an Carbol verleiht ihm vielleicht eine ganz schwache antiseptische Wirkung, die sich eventuell durch Zusatz von Spuren anderer Antiseptica (Nelkenöl etc.) beim Mischen erhöhen lĂ€sst.
Wir verwenden Fletcher's artificial dentine (Fletcher's Cement) zu verschiedenen Zwecken: erstens zum Ueberkappen der freigelegten Pulpa. Wie wir spĂ€ter noch sehen werden, sind zu diesem Zwecke eine ganze Reihe von Mitteln vorgeschlagen und angewendet worden; keines eignet sich jodoch in dem gleichen Masse hierfĂŒr, als Fletcher's artificial dentine, da dies fast allen Anforderungen entspricht, welche wir an ein Mittel zur Ueberkappung freigelegter Pulpen stellen können. Es lĂ€sst sich so einlegen, dass es sich vollkommen adaptirt, ohne dass man dabei den geringsten Druck auszuĂŒben brauchte, und es hat, wie wir vorher schon sahen, keine Ă€tzenden Eigenschaften, wird also die Pulpa nicht reizen.
Die Technik einer solchen PulpenĂŒberkappung ist folgende. Nachdem die Höhle sorgfĂ€ltig vorbereitet und in einen aseptischen Zustand versetzt ist (ĂŒber die Behandlung der freiliegenden Pulpa selbst werden wir spĂ€ter zu sprechen haben), sucht man sich ein Instrument aus, mit dem man recht bequem an die freiliegende Stelle herankommen kann (in den meisten FĂ€llen entspricht ein kleiner Excavator diesem Zweck); dann mischt man eine kleine QuantitĂ€t des Cements so dĂŒnn, dass es beim Aufnehmen mit der Spitze des ausgewĂ€hlten Instrumentes zu einer kleinen Kugel zusammenlĂ€uft, ohne jedoch ganz herabzutropfen. Diesen kleinen Tropfen bringt man dann an die Pulpa heran, wo er von selbst auseinanderlĂ€uft und alles gleich-massig ĂŒberdeckt: die freiliegende Stelle der Pulpa und das umgebende Dentin, ohne dass wir nöthig hĂ€tten, die Masse irgendwie mit dem Instrument noch anzudrĂŒcken oder die Pulpa mit demselben zu berĂŒhren. Das Cement hĂ€rtet dann, selbst wenn es so dĂŒnn angerĂŒhrt wurde, in kurzer Zeit (wenigen Minuten), wenn das AnrĂŒhren nur grĂŒndlich geschah, d. h. das Pulver ordentlich mit der FlĂŒssigkeit verrieben wurde (mit Hilfe eines Spatels). War das Cement nicht ordentlich gemischt, so hĂ€rtet es entweder nur sehr langsam oder gar nicht, sondern bleibt krĂŒmelig und weich. Bevor die Kappe hart geworden, darf man an dem Zahn dann weiter nichts unternehmen.
Das Material wird dann weiterhin verwendet: Zweitens zum Verschluss der Höhle bei Einlagen von Carbol und Ă€hnlichen Mitteln, wenn es sich darum handelt, empfindliches Zahnbein abzustumpfen, oder aber eine lĂ€nger anhaltende antiseptische Wirkung zu erzielen; dann bei Einlagen von Arsenpasta, wenn man die Pulpa abĂ€tzen will. Auch fĂŒr diese Zwecke giebt es wieder kein besseres Mittel als Pletcher's Cement.
Die Technik einer Carboleinlage oder eines Ă€hnlichen Mittels mit Fletcher's Cementverschluss ist folgende: Ein kleines WattebĂ€uschchen wird mit dem betreffenden Mittel getrĂ€nkt und in die CavitĂ€t ĂŒber der Pulpa eingelegt; doch darf man das BĂ€uschchen nicht allzugross und allzu feucht machen, damit nicht die RĂ€nder der CavitĂ€t mit Watte bedeckt oder feucht sind. Dann mischt man eine entsprechende QuantitĂ€t Cement zu einer halbdicken Paste, etwas dicker als zum Ueberkappen, und bringt einen Theil davon am besten mit einem nicht zu breiten spateiförmigen Instrument zunĂ€chst gegen die eine Wand der CavitĂ€t, dann eine zweite Portion an die gegenĂŒberliegende Wand; es gelingt so leicht, das WattebĂ€uschchen zu fixiren, ohne es von seinem Platze wegzudrĂŒcken oder seinen Inhalt auszuquetschen, was störend wirkt und vor allem das ErhĂ€rten des Cementes beeintrĂ€chtigt. Indem man nun noch weitere Portionen des weichen Cementes einbringt, kann man damit die ganze Höhle ausfĂŒllen; auch hierbei ist ein eigentliches DrĂŒcken zu vermeiden und darf man deshalb das Material nicht zu dick anrĂŒhren. Bei einiger Uebung gelingt es so leicht, einen vollkommenen Abschluss der CavitĂ€t zu erzielen; hat man sich erst einmal mit dem Material vertraut gemacht, so wird man sicher kein anderes mehr wĂŒnschen.
Bei dieser Gelegenheit mag auch gleich darauf aufmerksam gemacht werden, dass solche Einlagen von antiseptischen Mitteln absolut zwecklos und unwirksam sind, wenn man das Mittel nicht ganz sorgfĂ€ltig in der CavitĂ€t einschliesst, sondern, wie das so hĂ€ufig geĂŒbt wird, das Carbol-bĂ€uschchen einfach mit einem grösseren WattebĂ€uschchen bedeckt, welches eventuell in etwas Mastixlösung getrĂ€nkt ist. Solche Einlagen verlieren schon nach wenigen Stunden ihre Wirksamkeit, da durch den Speichel alles Carbol etc. sehr bald ausgesogen wird; die Watte wird dann bald von FĂ€ulnisskeimen durchsetzt und wirkt dann natĂŒrlich nichts weniger als antiseptisch. Arseineinlagen (s. spĂ€ter) werden in gleicher Weise gemacht, wie die eben beschriebenen Carboleinlagen; auch hier benutzt man als TrĂ€ger des Arzneimittels (der Arsenpaste) ein kleines, meist nur stecknadelkopfgrosses mit etwas Carbol angefeuchtetes WattebĂ€uschchen und verschliesst in derselben Weise mit Fletchercement.
Man verwendet das Fletchercement mit grossem Vortheil:
Drittens zur Fixation wurzelhautkranker und deshalb gegen jede BerĂŒhrung ausserordentlich empfindlicher ZĂ€hne, wenn diese einer Behandlung unterzogen werden sollen.
Die Behandlung solcher ZĂ€hne (s. spĂ€ter) gehört, ohne Anwendung entsprechender Vorsichtsmassregeln, zu den allerschmerzhaftesten Operationen, denn jede leise BerĂŒhrung mit dem Finger oder einem Instrument macht die heftigsten Beschwerden. Fixirt man aber einen solchen losen Zahn an seine Nachbarn, so dass er sich nicht mehr bewegen kann, so kann man an ihm herumarbeiten, bohren etc. so viel man will, ohne dass der Patient dabei meist eine ĂŒberhaupt nennenswerthe Empfindung hĂ€tte. Man mischt zu diesem Zwecke eine grössere QuantitĂ€t Fletchercement zu einem weichen Brei und bringt davon die HĂ€lfte mit einem Spatel auf die Zungenseite des zu befestigenden Zahnes und seiner Nachbarn, die andere HĂ€lfte auf deren labiale FlĂ€chen, wobei man Sorge trĂ€gt, dass das Material auch in die ZwischenrĂ€ume zwischen den ZĂ€hnen kommt, so dass diese nun vollstĂ€ndig im Cement eingebettet sind. Nur die Stelle bleibt frei, von welcher aus man den Zahn behandeln will. Die Behandlung kann dann nach einigen Minuten beginnen (sobald das Cement hart geworden).
Wir verwenden das Fletchercement:
Viertens als Material zur Herstellung von Unterlagen bei FĂŒllungen, die ziemlich nahe an die Pulpa heranreichen, ohne dass letztere freiliegt, so vor allem bei MetallfĂŒllungen (Gold, Amalgam), die ja als gute WĂ€rmeleiter nicht in die NĂ€he der Pulpa gebracht werden dĂŒrfen; dann aber auch bei FĂŒllungen aus Phosphatcement, da dies, wie wir spĂ€ter sehen werden, eine verderbliche Wirkung auf die Pulpa auszuĂŒben imstande ist, selbst wenn noch eine dĂŒnne Schicht Zahnbein ĂŒber derselben liegt.
In solchen FĂ€llen legen wir dann das Material ein in der Weise, dass wir eine entsprechend grosse QuantitĂ€t ziemlich dick angerĂŒhrten Fletcher-cementes auf die Zahnbeinpartien ĂŒber der Pulpa aufbringen, so dass es nur diese bedeckt, die RĂ€nder der CavitĂ€t aber frei lĂ€sst; denn da wir im Fletchercement ja kein Material fĂŒr permanente FĂŒllungen haben, dieses vielmehr nach einiger Zeit aufgelöst wird, so wĂŒrde ja die ĂŒber dem Fletchercement nun einzulegende FĂŒllung an den RĂ€ndern nicht mehr schliessen, wenn hier beim Einlegen Fletchercement hinkam und spĂ€ter dann aufgelöst wurde. Ueber dem nach einigen Minuten hartgewordenen Cement wird dann die eigentliche FĂŒllung bei Verwendung von Amalgam oder Phosphatcement sofort eingefĂŒhrt; bei Verwendung von Gold oder Zinngold muss man aber erst noch ein hĂ€rteres Material ĂŒberlegen, da Fletchercement auch in gut erhĂ€rtetem Zustande doch noch zu weich ist, als dass man Gold oder Zinngold darauf condensiren könnte; man legt deshalb hier erst noch eine Schicht Phosphatcement auf. c) Die Zinkphosphatcemente bestehen sowie die Zinkchiorid- und Zinksulfatcemente auch wieder aus einem Pulver und einer FlĂŒssigkeit, die gemischt einen Kitt geben, welcher in einigen Minuten zu einer sehr festen Masse erhĂ€rtet. Das Pulver enthĂ€lt der Hauptsache nach Zinkoxyd, daneben eventuell Calcium-, Magnesium- und Alurainiumoxyd, gelegentlich vielleicht auch noch andere Metalloxyde; die Zusammensetzung variirt bei den verschiedensten PrĂ€paraten, von denen es eine ganze Legion giebt (fast jeder Apotheker oder Chemiker »erfindet« heutzutage ein »neues« Cement, wovon jedes natĂŒrlich nach den Angaben des Verfertigers das »beste« ist und alle anderen Ă€hnlichen PrĂ€parate ĂŒbertrifft). Noch weniger constant als das Pulver ist die FlĂŒssigkeit zusammengesetzt, die der Hauptsache nach eine ziemlich concentrirte wĂ€sserige Lösung verschiedenartiger PhosphorsĂ€uren darstellt und sich in ihrer variirenden Zusammensetzung dann entweder als eine mehr oder weniger dickflĂŒssige Pasta oder aber eine vollkommen steife, eventuell krystallisirte Masse reprĂ€sentirt; im letzteren Falle muss dann eine entsprechende QuantitĂ€t durch ErwĂ€rmen erst wieder verflĂŒssigt werden. Durch Aufnahme oder Abgabe von WassermolecĂŒlen können die verschiedenen PhosphorsĂ€uren leicht Umsetzungen erleiden und sind darauf wohl zum grossen Theil die VerĂ€nderungen zurĂŒckzufĂŒhren, welche fast alle Cemente in Bezug auf GleichmĂ€ssigkeit in der Verarbeitung zu FĂŒllungen und Haltbarkeit der letzteren zeigen.
Wenn man eine Portion Cement frisch bezieht, so ist dasselbe meist in jeder Beziehung zufriedenstellend und zeigt die eben gerĂŒgten schlechten Eigenschaften erst dann, wenn die Flaschen hĂ€ufiger geöffnet worden sind. Es empfiehlt sich deshalb, dieselben immer möglichst gut verschlossen aufzubewahren, damit nicht Luft, Staub etc. Zutritt haben, und weiterhin natĂŒrlich auch gegen directe Verunreinigung durch Eingehen mit feuchten schmutzigen Spateln zu schĂŒtzen. Namentlich darf man nicht mit dem Spatel erst in die Pulverflasche und dann gleich, ohne ihn abgewischt zu haben, in die FlĂŒssigkeit gehen oder umgekehrt. Zuweilen trennt sich die FlĂŒssigkeit in verschiedene Schichten; es ist dann nothwendig, den ganzen Inhalt durch Eintauchen in heisses Wasser umzuschmelzen und sorgfĂ€ltig durchzuschĂŒtteln. Zum jedesmaligen Gebrauch vermischt man dann eine entsprechende QuantitĂ€t Pulver und FlĂŒssigkeit mit Hilfe eines festen (nicht federnden) Spatels, am besten aus reinem Nickel auf einer Glasplatte in der Weise, dass man das Pulver allmĂ€hlich in die FlĂŒssigkeit hineinknetet, respective mit dieser auf das grĂŒndlichste verreibt; und zwar soll so viel Pulver zugesetzt werden, bis die Masse anfĂ€ngt, sich vom Glase abzuschĂ€len, also fast krĂŒmelig erscheint. Streicht man diese krĂŒmelige Masse dann zusammen und knetet sie sorgfĂ€ltig in der Hand (zwischen den Spitzen von Daumen und Zeigefinger), so wird sie dann durch die WĂ€rme der Hand sehr schön plastisch und lĂ€sst sich nun bequem verarbeiten, ohne am Instrument zu kleben, wie das der Fall ist, wenn man das Cement unvollkommen und zu dĂŒnn anrĂŒhrt (zu wenig Pulver zusetzt).
Es hĂ€ngt allerdings auch etwas von der Natur des Cementes ab, wie es zu mischen ist. Die verschiedenen PrĂ€parate verlangen eine etwas verschiedene Behandlung, fĂŒr welche die entsprechende Vorschrift mitgegeben wird. Die Phosphatcemente haben alle den grossen Vortheil, dass sie sehr leicht einzufĂŒhren sind; dabei werden sie hĂ€rter als die Chlorzinkcemente und bieten so dem Masticationsdruck mehr Widerstand. Auch lĂ€sst sich die Farbe des Materials durch Zusatz geeigneter Farbstoffe (Eisenoxyd, Braunstein, Ocker etc.) zu dem Pulver so modificiren, dass sie den verschiedensten Zahnfarben ausserordentlich nahe kommt, wenngleich eine fertige FĂŒllung doch immer etwas von der Zahnmasse absticht, weil ihr die Transparenz fehlt.
Als weiterer Vortheil kommt dann noch hinzu, dass die Phosphatcemente schlechte WĂ€rmeleiter sind. Diesen Vortheilen gegenĂŒber hat aber das Material auch recht schwerwiegende Nachtheile; nĂ€mlich: 1. eine sehr ausgesprochene Empfindlichkeit gegen Feuchtigkeit; 2. eine nur sehr geringe WiderstandsfĂ€higkeit den auflösenden Eigenschaften der MundflĂŒssigkeiten gegenĂŒber. Diese UebelstĂ€nde kommen gerade dort zur Geltung, wo wir die Cemente besonders gut gebrauchen könnten; in kleinen Höhlen mit festen WĂ€nden hĂ€lt sich Phosphatcement meist sehr gut; bei grossen, tiefgehenden CavitĂ€ten namentlich an den Approximalflachen hinterer ZĂ€hne, wo es sehr schwer oder unmöglich ist, mit Gold ordentlich anzukommen und wo wir deshalb gern zu einem leichter einfuhrbaren Material greifen wĂŒrden, ist dagegen seine Verwendung absolut unzuverlĂ€ssig. Meist ist die Halspartie solcher FĂŒllungen schon in wenigen Wochen aufgelöst; und auch an anderen Stellen kann man eine solche Auflösung beobachten, namentlich wenn es nicht möglich war, das Material absolut trocken einzufĂŒhren. Eine CementfĂŒllung, ohne Cofferdam gelegt, hat in der grossen Mehrzahl der FĂ€lle ĂŒberhaupt keinen Zweck, da sie kaum einige Monate hĂ€lt; die Höhle muss unter allen UmstĂ€nden trocken gehalten werden, da bei Zutritt von Feuchtigkeit (am Zahnhalse, bei feuchten DentinwĂ€nden) das Material spröde, respective krĂŒmelig wird, nicht ordentlich erhĂ€rtet und sich sehr rasch in den MundflĂŒssigkeiten löst.
Das Material scheint namentlich gegen die GĂ€hrungsproducte, die sich an den ZahnhĂ€lsen ansammeln, in hohem Grade empfindlich zu sein, wie aus dem UmstĂ€nde zu entnehmen ist, dass die meisten PhosphatcementfĂŒllungen an solchen Stellen sehr leicht gelöst werden, wo sich erfahrungsgemĂ€ss lebhafte GĂ€hrungsvorgĂ€nge abspielen, so dass dann schon nach wenigen Wochen oder Monaten secundĂ€re Caries eintritt. Sehr hĂ€ufig können wir FĂ€lle beobachten, wo der Patient ĂŒber Schmerzen in einem Zahn klagt, der vor nicht langer Zeit mit Phosphatcement gefĂŒllt wurde. Auf den ersten Blick scheint die FĂŒllung vollkommen intact zu sein, untersuchen wir aber genauer, so ist der Cervicaltheii meist aufgelöst und gestattet der untersuchenden Sonde ein unbehindertes Eindringen, oft bis fast zur Pulpa. FĂŒllungen auf KauflĂ€chen halten dagegen oft viele Jahre lang ausserordentlich schön und gut.
Neuerdings wurde darauf hingewiesen, dass manche Cementsorten sich auch contrahiren.
Bei aller Ueberlegenheit den Chlorzinkcementen gegenĂŒber zeigen also die Zinkphosphate doch eine solche Anzahl schlechter Eigenschaften, dass wir nur möglichst wenig Gebrauch von ihnen machen sollten; wenn es die UmstĂ€nde sonst zulassen, werden wir Cement deshalb nur verwenden in FrontzĂ€hnen, wo Gold aus irgend einem Grunde contraindicirt ist, da wir hier ja auch Amalgam seiner ungeeigneten Farbe wegen nicht anwenden dĂŒrfen. Doch zwingen uns die UmstĂ€nde mitunter, es auch in anderen FĂ€llen zu verwenden, so bei grossen Höhlen mit dĂŒnnen WĂ€nden und bei schwer erreichbaren CavitĂ€ten, wo wir Unterschnitte zur Befestigung einer GoldfĂŒllung anzubringen nicht imstande sind. Da das Cement an der trockenen Zahnbeinwand leicht und gut adhĂ€rirt, brauchen wir bei seiner Verwendung die CavitĂ€t ĂŒberhaupt nicht zu unterschneiden.
Andererseits dĂŒrfen wir uns aber auf die adhĂ€rirenden Eigenschaften des Cementes nicht zu sehr verlassen und nicht etwa versuchen, dĂŒnne WĂ€nde damit vor dem Abspringen bewahren zu wollen, dass wir sie mit einer CementfĂŒllung festhalten.
Das Material wurde dann auch zur Ueberkappung freigelegter Pulpen empfohlen, allerdings nur von wenigen. Es kann davon nur ganz entschieden abgerathen werden; einmal hat es vor dem zu diesem Zwecke so vorzĂŒglich geeigneten Fletchercement nicht nur nichts voraus, sondern steht ihm in Bezug auf leichte Verarbeitung und Adaptionsvermögen noch ganz bedeutend nach; dann aber geben alle Phosphatcemente bei BerĂŒhrung mit feuchten Körpern (Pulpa, poröses feuchtes Zahnbein) leicht etwas freie PhosphorsĂ€ure an diese ab, da wir ja beim Anreiben der Cemente keine RĂŒcksicht auf die chemischen VerhĂ€ltnisse nehmen, in welchen sich FlĂŒssigkeit und Pulver des Cementes wirklich binden, sondern einfach nach GutdĂŒnken mischen, wobei selten alle SĂ€ure gesĂ€ttigt wird. So sind die Phosphatcemente, wie wir spĂ€ter noch sehen werden, imstande, eine Aetzwirkung auszuĂŒben, die hĂ€ufig genug so stark ist, dass die Pulpa unter der FĂŒllung abstirbt, beziehungsweise dass eine totale EntzĂŒndung derselben mit Ausgang in GangrĂ€n eintritt. Bei Besprechung des Fletchercementes wurde schon auf diesen Umstand hingewiesen und empfohlen, in solchen FĂ€llen, wo die CavitĂ€t bis in die NĂ€he der Pulpa geht, eine Unterlage von Fletchercement zu machen und darĂŒber erst Phosphatcement zu fĂŒllen.
Die Versuchung ist meist gross, Phosphatcement auch da anzuwenden, wo es eigentlich nicht am Platze ist; so bei grossen CavitĂ€ten an Bicuspidaten und Molaren, wo Amalgam oder Zinngold sich immer eher eignen, natĂŒrlich aber eine etwas sorgsamere PrĂ€paration der Höhle verlangen. In FrontzĂ€hnen mĂŒssen wir hĂ€ufig auf Wunsch der Patienten Cement an Stelle von Gold nehmen, da ihnen die Farbe und der Preis des letzteren oft nicht conveniren. Phosphatcement findet mit Vortheil Verwendung zu FĂŒllungen mehr provisorischer Natur, also in MilchzĂ€hnen und bleibenden ZĂ€hnen, bei denen wir den Wurzelcanal behandelt haben; " hier wird es immer gut sein, mit der EinfĂŒhrung einer dauerhaften (Gold-) FĂŒllung einige Monate lang zu warten, um zu sehen, ob die Wurzelhaut auch gesund bleibt.
Aus zur Befestigung von StiftzĂ€hnen wird das Material viel verwendet, obwohl es sich bei dieser Verwendung nur ziemlich bewĂ€hrt, jedenfalls nicht so gut wie die zum gleichen Zwecke verwendete Guttapercha. Ein Mittel zur Befestigung der StiftzĂ€hne soll so beschaffen sein, dass es dem eingesetzten Zahn nach Möglichkeit eine geringe BewegungsfĂ€higkeit gestattet; sonst kommt es leicht vor, dass die Porzellankrone des Stiftzahnes zersprengt, beziehungsweise weggebissen wird und nur der Stift im Canal zurĂŒckbleibt, der dann recht schwer zu entfernen ist. Ist das Befestigungsmittel etwas nachgiebig, elastisch, wie z. B. die Guttapercha, so wird ein solcher Uebelstand nicht so leicht eintreten können. Man kommt deshalb von der Benutzung der Phosphate zu diesem Zwecke mehr und mehr ab; ebenso von ihrer Verwendung zu WurzelfĂŒllungen, wofĂŒr immer noch einige plaidiren. Auch hierfĂŒr ist die Guttapercha oder das Chlorzinkcement entschieden viel geeigneter, wie man sich leicht durch einige Versuche ĂŒberzeugen kann; wĂ€hrend es ein Leichtes ist, die letztgenannten Materialien in den Wurzelcanal einzufĂŒhren, bietet die EinfĂŒhrung von dĂŒnn angerĂŒhrtem Phosphatcement meist recht grosse Schwierigkeiten; das Material haftet wohl sehr gut am Instrument, um so schlechter aber dafĂŒr an den Canal-wĂ€nden, wenn diese nicht absolut trocken sind.
Zur Befestigung von Porzellan- und GlasfĂŒllungen verwenden wir Cement mit Vortheil; auch zur Befestigung von Kronen, BrĂŒckenarbeiten und eventuell von Vorrichtungen zu Richtzwecken (GoldbĂ€ndern etc.).
Dann wurde Phosphatcement empfohlen als Unterlage bei AmalgamfĂŒllungen, beziehungsweise zur Befestigung dieser, wenn die CavitĂ€t zu flach und schwer erreichbar, so dass man nicht imstande ist, Unterschnitte anzulegen. Man fĂŒllt dann erst etwas weiches Phosphatcement ein und bringt sogleich ein StĂŒckchen Amalgam darauf, beziehungsweise drĂŒckt es in das weiche Cement hinein; nach dem HĂ€rten des Cementes fĂŒllt man dann mit Amalgam weiter. Das Cement bewirkt dann durch AdhĂ€sion den Halt der FĂ€llung an der Zahnwand, das Amalgam wird im Cement gehalten. Die Erfahrung ĂŒber diese Art combinirter FĂŒllungen ist bis jetzt noch keine so grosse, um ein definitives Urtheil ĂŒber ihre Brauchbarkeit zu gestatten; doch scheint die Methode empfehlenswerth und dĂŒrfte jedenfalls werth sein, weiter versucht zu werden. In Ă€hnlicher Weise wird Phosphatcement auch als Unterlage, beziehungsweise zur Befestigung von GoldfĂŒllungen empfohlen, in flachen Höhlen namentlich, wenn das Dentin zu schmerzhaft, um das Anlegen von Unterschnitten zu gestatten. Man bringt etwas von einem rasch hart werdenden und möglichst zĂ€hen, nicht bröckelnden Cement auf den Boden der CavitĂ€t (das Cement muss ziemlich weich angerĂŒhrt werden, damit es gut an der Zahnwand klebt) und drĂŒckt dann gleich ein grösseres StĂŒckchen cohĂ€sives Gold in das weiche Cement hinein, jedoch vorsichtig, damit das StĂŒckchen nicht vollkommen vom Cement eingehĂŒllt wird. Nach ErhĂ€rten des Phosphatcementes wird dann condensirt und mit Gold weiter gefĂŒllt.
Ein grosser Nachtheil der CementfĂŒllungen ist die rasche AbnĂŒtzung besonders an den ApproximalflĂ€chen, wenn zugleich ein Theil der Kaukante fehlt.
In der Absicht, diese schnelle AbnĂŒtzung der Phosphatcemente etwas zu verhindern, hat man in verschiedener Weise versucht, das Cement mit Metall zu vereinigen und es dadurch hĂ€rter zu machen. Die Hauptmethoden hierfĂŒr sind folgende:
1. Man fĂŒgt dem Cement beim AnrĂŒhren MetallspĂ€ne (Amalgamfeilung u. dergl.) bei, diese verbinden sich mit dem Cement ziemlich gut, indem sie von der SĂ€ure etwas angeĂ€tzt und rauh werden, so dass das Ganze nachher eine ziemlich homogene Masse bildet. Die Methode wird namentlich in Amerika viel geĂŒbt, wĂ€hrend in Deutschland die folgende mehr AnhĂ€nger hat.
2. Man prĂ€parirt Amalgam in der gewöhnlichen Weise, wie man es zur FĂŒllung verarbeitet, doch nicht mit zu viel und auch nicht mit zu wenig Quecksilber (ist ein Ueberschuss von Quecksilber vorhanden, so wird die Combination nachher nicht ordentlich hart, ist zu wenig da, so wird alles bröckelig und die verschiedenen Theile verbinden sich nachher beim Ver mischen mit Cement nicht). Dann rĂŒhrt man Cement an, ebenfalls in der Weise, wie man es fĂŒr eine FĂŒllung braucht, und knetet nun das angerĂŒhrte Amalgam in das angerĂŒhrte Cement mit einem krĂ€ftigen Spatel hinein, etwa gleiche Theile Amalgam und Cement oder etwas mehr von letzterem. Die combinirte Masse bildet ein sehr schön homogenes Gemenge; wenn Klagen darĂŒber laut wurden, dass die OberflĂ€che von daraus hergestellten FĂŒllungen durch Auflösen des Cement es der obersten Schichten sehr bald rauh wĂŒrden, so muss das auf eine ungenĂŒgende Vermischung beider Materialien bezogen werden; die Abnutzung ist eine vollkommen gleichmĂ€ssige und die Ober flĂ€che bleibt dabei immer glatt, fast so wie bei reinen CementfĂŒllungen. wenn die Mischung vorschriftsmĂ€ssig hergestellt wird.
Dies »Cementamalgam« hat vor dem Cement den grossen Vorzug, dass es sich nicht so schnell abnutzt als dieses, vor dem Amalgam den Vorzug, dass es besser an den CavitĂ€tenwĂ€nden haftet und dass es weiterhin nicht ein so guter WĂ€rmeleiter ist. Wir verwenden deshalb Cementamalgam mit Vorliebe in solchen CavitĂ€ten an BackenzĂ€hnen, wo wir eventuell geneigt wĂ€ren, Cement zu verwenden, und dĂŒrfen dann erwarten, bessere Resultate zu erzielen als mit Cement allein. Allerdings ist die Erfahrung ĂŒber die wirkliche Brauchbarkeit derartig combinirter FĂŒllungsmaterialien noch keine langjĂ€hrige, doch ist man im allgemeinen mit den bis jetzt gewonnenen Resultaten zufrieden. So wie Phosphatcement darf auch Amalgamcement nur in absolut trocken gehaltene CavitĂ€ten eingebracht werden.
Ganz neuerdings wird unter dem Namen »Binolith« ein CementprÀparat in den Handel gebracht, bei welchem das Pulver mit Metallfeilung durchsetzt ist, die Pasta zugleich Quecksilber enthÀlt, so dass sich beim Verreiben Cement und Amalgam nebeneinander bilden.
Heute wird das Material ĂŒberhaupt wenig mehr, höchstens zur AusfĂŒllung der WurzelcanĂ€le und eventuell als temporĂ€re FĂŒllung in weichen ZĂ€hnen, namentlich MilchzĂ€hnen verwendet; bei letzteren zuweilen auch bei freiliegenden Pulpen, wenn wir die Absicht haben, diese abzutödten. FĂŒr alle anderen Zwecke sind die Chlorzinkcemente durch die Zinkphosphate ersetzt worden.
b) Die Gruppe der Zinksulfatcemente wird durch ein einziges PrĂ€parat reprĂ€sentirt, nĂ€mlich durch »Fletcher's artificial dentine« (kĂŒnstliches Zahnbein, beziehungsweise seine Nachahmungen). Das PrĂ€parat besteht aus einem Pulver (calcinirtes Zinksulfat?) und einer FlĂŒssigkeit (wahrscheinlich eine wĂ€sserige Lösung von Gummi arabicum mit etwas Glycerin, Borax, einer Spur Laudanum und etwas Carbol); die FlĂŒssigkeit schmeckt schwach nach Carbol und ist nicht Ă€tzend. Mischt man ein wenig FlĂŒssigkeit und Pulver zusammen, so erhĂ€lt man eine Masse, die ziemlich rasch erhĂ€rtet, so dass man sich mit dem EinfĂŒhren derselben in die CavitĂ€t beeilen muss. Das PrĂ€parat verdirbt leicht an der Luft, wenn man es nicht gut verkorkt aufbewahrt; im letzteren Falle behĂ€lt es seine guten Eigenschaften jahrelang bei. Ein verdorbenes oder durch Schmutz verunreinigtes PrĂ€parat hĂ€rtet sehr langsam oder auch gar nicht. Der Pulpa gegenĂŒber verhĂ€lt sich Fletcher's artificial dentine absolut indifferent, so dass wir freigelegte Pulpen damit ĂŒberkappen können; der Gehalt an Carbol verleiht ihm vielleicht eine ganz schwache antiseptische Wirkung, die sich eventuell durch Zusatz von Spuren anderer Antiseptica (Nelkenöl etc.) beim Mischen erhöhen lĂ€sst.
Wir verwenden Fletcher's artificial dentine (Fletcher's Cement) zu verschiedenen Zwecken: erstens zum Ueberkappen der freigelegten Pulpa. Wie wir spĂ€ter noch sehen werden, sind zu diesem Zwecke eine ganze Reihe von Mitteln vorgeschlagen und angewendet worden; keines eignet sich jodoch in dem gleichen Masse hierfĂŒr, als Fletcher's artificial dentine, da dies fast allen Anforderungen entspricht, welche wir an ein Mittel zur Ueberkappung freigelegter Pulpen stellen können. Es lĂ€sst sich so einlegen, dass es sich vollkommen adaptirt, ohne dass man dabei den geringsten Druck auszuĂŒben brauchte, und es hat, wie wir vorher schon sahen, keine Ă€tzenden Eigenschaften, wird also die Pulpa nicht reizen.
Die Technik einer solchen PulpenĂŒberkappung ist folgende. Nachdem die Höhle sorgfĂ€ltig vorbereitet und in einen aseptischen Zustand versetzt ist (ĂŒber die Behandlung der freiliegenden Pulpa selbst werden wir spĂ€ter zu sprechen haben), sucht man sich ein Instrument aus, mit dem man recht bequem an die freiliegende Stelle herankommen kann (in den meisten FĂ€llen entspricht ein kleiner Excavator diesem Zweck); dann mischt man eine kleine QuantitĂ€t des Cements so dĂŒnn, dass es beim Aufnehmen mit der Spitze des ausgewĂ€hlten Instrumentes zu einer kleinen Kugel zusammenlĂ€uft, ohne jedoch ganz herabzutropfen. Diesen kleinen Tropfen bringt man dann an die Pulpa heran, wo er von selbst auseinanderlĂ€uft und alles gleich-massig ĂŒberdeckt: die freiliegende Stelle der Pulpa und das umgebende Dentin, ohne dass wir nöthig hĂ€tten, die Masse irgendwie mit dem Instrument noch anzudrĂŒcken oder die Pulpa mit demselben zu berĂŒhren. Das Cement hĂ€rtet dann, selbst wenn es so dĂŒnn angerĂŒhrt wurde, in kurzer Zeit (wenigen Minuten), wenn das AnrĂŒhren nur grĂŒndlich geschah, d. h. das Pulver ordentlich mit der FlĂŒssigkeit verrieben wurde (mit Hilfe eines Spatels). War das Cement nicht ordentlich gemischt, so hĂ€rtet es entweder nur sehr langsam oder gar nicht, sondern bleibt krĂŒmelig und weich. Bevor die Kappe hart geworden, darf man an dem Zahn dann weiter nichts unternehmen.
Das Material wird dann weiterhin verwendet: Zweitens zum Verschluss der Höhle bei Einlagen von Carbol und Ă€hnlichen Mitteln, wenn es sich darum handelt, empfindliches Zahnbein abzustumpfen, oder aber eine lĂ€nger anhaltende antiseptische Wirkung zu erzielen; dann bei Einlagen von Arsenpasta, wenn man die Pulpa abĂ€tzen will. Auch fĂŒr diese Zwecke giebt es wieder kein besseres Mittel als Pletcher's Cement.
Die Technik einer Carboleinlage oder eines Ă€hnlichen Mittels mit Fletcher's Cementverschluss ist folgende: Ein kleines WattebĂ€uschchen wird mit dem betreffenden Mittel getrĂ€nkt und in die CavitĂ€t ĂŒber der Pulpa eingelegt; doch darf man das BĂ€uschchen nicht allzugross und allzu feucht machen, damit nicht die RĂ€nder der CavitĂ€t mit Watte bedeckt oder feucht sind. Dann mischt man eine entsprechende QuantitĂ€t Cement zu einer halbdicken Paste, etwas dicker als zum Ueberkappen, und bringt einen Theil davon am besten mit einem nicht zu breiten spateiförmigen Instrument zunĂ€chst gegen die eine Wand der CavitĂ€t, dann eine zweite Portion an die gegenĂŒberliegende Wand; es gelingt so leicht, das WattebĂ€uschchen zu fixiren, ohne es von seinem Platze wegzudrĂŒcken oder seinen Inhalt auszuquetschen, was störend wirkt und vor allem das ErhĂ€rten des Cementes beeintrĂ€chtigt. Indem man nun noch weitere Portionen des weichen Cementes einbringt, kann man damit die ganze Höhle ausfĂŒllen; auch hierbei ist ein eigentliches DrĂŒcken zu vermeiden und darf man deshalb das Material nicht zu dick anrĂŒhren. Bei einiger Uebung gelingt es so leicht, einen vollkommenen Abschluss der CavitĂ€t zu erzielen; hat man sich erst einmal mit dem Material vertraut gemacht, so wird man sicher kein anderes mehr wĂŒnschen.
Bei dieser Gelegenheit mag auch gleich darauf aufmerksam gemacht werden, dass solche Einlagen von antiseptischen Mitteln absolut zwecklos und unwirksam sind, wenn man das Mittel nicht ganz sorgfĂ€ltig in der CavitĂ€t einschliesst, sondern, wie das so hĂ€ufig geĂŒbt wird, das Carbol-bĂ€uschchen einfach mit einem grösseren WattebĂ€uschchen bedeckt, welches eventuell in etwas Mastixlösung getrĂ€nkt ist. Solche Einlagen verlieren schon nach wenigen Stunden ihre Wirksamkeit, da durch den Speichel alles Carbol etc. sehr bald ausgesogen wird; die Watte wird dann bald von FĂ€ulnisskeimen durchsetzt und wirkt dann natĂŒrlich nichts weniger als antiseptisch. Arseineinlagen (s. spĂ€ter) werden in gleicher Weise gemacht, wie die eben beschriebenen Carboleinlagen; auch hier benutzt man als TrĂ€ger des Arzneimittels (der Arsenpaste) ein kleines, meist nur stecknadelkopfgrosses mit etwas Carbol angefeuchtetes WattebĂ€uschchen und verschliesst in derselben Weise mit Fletchercement.
Man verwendet das Fletchercement mit grossem Vortheil:
Drittens zur Fixation wurzelhautkranker und deshalb gegen jede BerĂŒhrung ausserordentlich empfindlicher ZĂ€hne, wenn diese einer Behandlung unterzogen werden sollen.
Die Behandlung solcher ZĂ€hne (s. spĂ€ter) gehört, ohne Anwendung entsprechender Vorsichtsmassregeln, zu den allerschmerzhaftesten Operationen, denn jede leise BerĂŒhrung mit dem Finger oder einem Instrument macht die heftigsten Beschwerden. Fixirt man aber einen solchen losen Zahn an seine Nachbarn, so dass er sich nicht mehr bewegen kann, so kann man an ihm herumarbeiten, bohren etc. so viel man will, ohne dass der Patient dabei meist eine ĂŒberhaupt nennenswerthe Empfindung hĂ€tte. Man mischt zu diesem Zwecke eine grössere QuantitĂ€t Fletchercement zu einem weichen Brei und bringt davon die HĂ€lfte mit einem Spatel auf die Zungenseite des zu befestigenden Zahnes und seiner Nachbarn, die andere HĂ€lfte auf deren labiale FlĂ€chen, wobei man Sorge trĂ€gt, dass das Material auch in die ZwischenrĂ€ume zwischen den ZĂ€hnen kommt, so dass diese nun vollstĂ€ndig im Cement eingebettet sind. Nur die Stelle bleibt frei, von welcher aus man den Zahn behandeln will. Die Behandlung kann dann nach einigen Minuten beginnen (sobald das Cement hart geworden).
Wir verwenden das Fletchercement:
Viertens als Material zur Herstellung von Unterlagen bei FĂŒllungen, die ziemlich nahe an die Pulpa heranreichen, ohne dass letztere freiliegt, so vor allem bei MetallfĂŒllungen (Gold, Amalgam), die ja als gute WĂ€rmeleiter nicht in die NĂ€he der Pulpa gebracht werden dĂŒrfen; dann aber auch bei FĂŒllungen aus Phosphatcement, da dies, wie wir spĂ€ter sehen werden, eine verderbliche Wirkung auf die Pulpa auszuĂŒben imstande ist, selbst wenn noch eine dĂŒnne Schicht Zahnbein ĂŒber derselben liegt.
In solchen FĂ€llen legen wir dann das Material ein in der Weise, dass wir eine entsprechend grosse QuantitĂ€t ziemlich dick angerĂŒhrten Fletcher-cementes auf die Zahnbeinpartien ĂŒber der Pulpa aufbringen, so dass es nur diese bedeckt, die RĂ€nder der CavitĂ€t aber frei lĂ€sst; denn da wir im Fletchercement ja kein Material fĂŒr permanente FĂŒllungen haben, dieses vielmehr nach einiger Zeit aufgelöst wird, so wĂŒrde ja die ĂŒber dem Fletchercement nun einzulegende FĂŒllung an den RĂ€ndern nicht mehr schliessen, wenn hier beim Einlegen Fletchercement hinkam und spĂ€ter dann aufgelöst wurde. Ueber dem nach einigen Minuten hartgewordenen Cement wird dann die eigentliche FĂŒllung bei Verwendung von Amalgam oder Phosphatcement sofort eingefĂŒhrt; bei Verwendung von Gold oder Zinngold muss man aber erst noch ein hĂ€rteres Material ĂŒberlegen, da Fletchercement auch in gut erhĂ€rtetem Zustande doch noch zu weich ist, als dass man Gold oder Zinngold darauf condensiren könnte; man legt deshalb hier erst noch eine Schicht Phosphatcement auf. c) Die Zinkphosphatcemente bestehen sowie die Zinkchiorid- und Zinksulfatcemente auch wieder aus einem Pulver und einer FlĂŒssigkeit, die gemischt einen Kitt geben, welcher in einigen Minuten zu einer sehr festen Masse erhĂ€rtet. Das Pulver enthĂ€lt der Hauptsache nach Zinkoxyd, daneben eventuell Calcium-, Magnesium- und Alurainiumoxyd, gelegentlich vielleicht auch noch andere Metalloxyde; die Zusammensetzung variirt bei den verschiedensten PrĂ€paraten, von denen es eine ganze Legion giebt (fast jeder Apotheker oder Chemiker »erfindet« heutzutage ein »neues« Cement, wovon jedes natĂŒrlich nach den Angaben des Verfertigers das »beste« ist und alle anderen Ă€hnlichen PrĂ€parate ĂŒbertrifft). Noch weniger constant als das Pulver ist die FlĂŒssigkeit zusammengesetzt, die der Hauptsache nach eine ziemlich concentrirte wĂ€sserige Lösung verschiedenartiger PhosphorsĂ€uren darstellt und sich in ihrer variirenden Zusammensetzung dann entweder als eine mehr oder weniger dickflĂŒssige Pasta oder aber eine vollkommen steife, eventuell krystallisirte Masse reprĂ€sentirt; im letzteren Falle muss dann eine entsprechende QuantitĂ€t durch ErwĂ€rmen erst wieder verflĂŒssigt werden. Durch Aufnahme oder Abgabe von WassermolecĂŒlen können die verschiedenen PhosphorsĂ€uren leicht Umsetzungen erleiden und sind darauf wohl zum grossen Theil die VerĂ€nderungen zurĂŒckzufĂŒhren, welche fast alle Cemente in Bezug auf GleichmĂ€ssigkeit in der Verarbeitung zu FĂŒllungen und Haltbarkeit der letzteren zeigen.
Wenn man eine Portion Cement frisch bezieht, so ist dasselbe meist in jeder Beziehung zufriedenstellend und zeigt die eben gerĂŒgten schlechten Eigenschaften erst dann, wenn die Flaschen hĂ€ufiger geöffnet worden sind. Es empfiehlt sich deshalb, dieselben immer möglichst gut verschlossen aufzubewahren, damit nicht Luft, Staub etc. Zutritt haben, und weiterhin natĂŒrlich auch gegen directe Verunreinigung durch Eingehen mit feuchten schmutzigen Spateln zu schĂŒtzen. Namentlich darf man nicht mit dem Spatel erst in die Pulverflasche und dann gleich, ohne ihn abgewischt zu haben, in die FlĂŒssigkeit gehen oder umgekehrt. Zuweilen trennt sich die FlĂŒssigkeit in verschiedene Schichten; es ist dann nothwendig, den ganzen Inhalt durch Eintauchen in heisses Wasser umzuschmelzen und sorgfĂ€ltig durchzuschĂŒtteln. Zum jedesmaligen Gebrauch vermischt man dann eine entsprechende QuantitĂ€t Pulver und FlĂŒssigkeit mit Hilfe eines festen (nicht federnden) Spatels, am besten aus reinem Nickel auf einer Glasplatte in der Weise, dass man das Pulver allmĂ€hlich in die FlĂŒssigkeit hineinknetet, respective mit dieser auf das grĂŒndlichste verreibt; und zwar soll so viel Pulver zugesetzt werden, bis die Masse anfĂ€ngt, sich vom Glase abzuschĂ€len, also fast krĂŒmelig erscheint. Streicht man diese krĂŒmelige Masse dann zusammen und knetet sie sorgfĂ€ltig in der Hand (zwischen den Spitzen von Daumen und Zeigefinger), so wird sie dann durch die WĂ€rme der Hand sehr schön plastisch und lĂ€sst sich nun bequem verarbeiten, ohne am Instrument zu kleben, wie das der Fall ist, wenn man das Cement unvollkommen und zu dĂŒnn anrĂŒhrt (zu wenig Pulver zusetzt).
Es hĂ€ngt allerdings auch etwas von der Natur des Cementes ab, wie es zu mischen ist. Die verschiedenen PrĂ€parate verlangen eine etwas verschiedene Behandlung, fĂŒr welche die entsprechende Vorschrift mitgegeben wird. Die Phosphatcemente haben alle den grossen Vortheil, dass sie sehr leicht einzufĂŒhren sind; dabei werden sie hĂ€rter als die Chlorzinkcemente und bieten so dem Masticationsdruck mehr Widerstand. Auch lĂ€sst sich die Farbe des Materials durch Zusatz geeigneter Farbstoffe (Eisenoxyd, Braunstein, Ocker etc.) zu dem Pulver so modificiren, dass sie den verschiedensten Zahnfarben ausserordentlich nahe kommt, wenngleich eine fertige FĂŒllung doch immer etwas von der Zahnmasse absticht, weil ihr die Transparenz fehlt.
Als weiterer Vortheil kommt dann noch hinzu, dass die Phosphatcemente schlechte WĂ€rmeleiter sind. Diesen Vortheilen gegenĂŒber hat aber das Material auch recht schwerwiegende Nachtheile; nĂ€mlich: 1. eine sehr ausgesprochene Empfindlichkeit gegen Feuchtigkeit; 2. eine nur sehr geringe WiderstandsfĂ€higkeit den auflösenden Eigenschaften der MundflĂŒssigkeiten gegenĂŒber. Diese UebelstĂ€nde kommen gerade dort zur Geltung, wo wir die Cemente besonders gut gebrauchen könnten; in kleinen Höhlen mit festen WĂ€nden hĂ€lt sich Phosphatcement meist sehr gut; bei grossen, tiefgehenden CavitĂ€ten namentlich an den Approximalflachen hinterer ZĂ€hne, wo es sehr schwer oder unmöglich ist, mit Gold ordentlich anzukommen und wo wir deshalb gern zu einem leichter einfuhrbaren Material greifen wĂŒrden, ist dagegen seine Verwendung absolut unzuverlĂ€ssig. Meist ist die Halspartie solcher FĂŒllungen schon in wenigen Wochen aufgelöst; und auch an anderen Stellen kann man eine solche Auflösung beobachten, namentlich wenn es nicht möglich war, das Material absolut trocken einzufĂŒhren. Eine CementfĂŒllung, ohne Cofferdam gelegt, hat in der grossen Mehrzahl der FĂ€lle ĂŒberhaupt keinen Zweck, da sie kaum einige Monate hĂ€lt; die Höhle muss unter allen UmstĂ€nden trocken gehalten werden, da bei Zutritt von Feuchtigkeit (am Zahnhalse, bei feuchten DentinwĂ€nden) das Material spröde, respective krĂŒmelig wird, nicht ordentlich erhĂ€rtet und sich sehr rasch in den MundflĂŒssigkeiten löst.
Das Material scheint namentlich gegen die GĂ€hrungsproducte, die sich an den ZahnhĂ€lsen ansammeln, in hohem Grade empfindlich zu sein, wie aus dem UmstĂ€nde zu entnehmen ist, dass die meisten PhosphatcementfĂŒllungen an solchen Stellen sehr leicht gelöst werden, wo sich erfahrungsgemĂ€ss lebhafte GĂ€hrungsvorgĂ€nge abspielen, so dass dann schon nach wenigen Wochen oder Monaten secundĂ€re Caries eintritt. Sehr hĂ€ufig können wir FĂ€lle beobachten, wo der Patient ĂŒber Schmerzen in einem Zahn klagt, der vor nicht langer Zeit mit Phosphatcement gefĂŒllt wurde. Auf den ersten Blick scheint die FĂŒllung vollkommen intact zu sein, untersuchen wir aber genauer, so ist der Cervicaltheii meist aufgelöst und gestattet der untersuchenden Sonde ein unbehindertes Eindringen, oft bis fast zur Pulpa. FĂŒllungen auf KauflĂ€chen halten dagegen oft viele Jahre lang ausserordentlich schön und gut.
Neuerdings wurde darauf hingewiesen, dass manche Cementsorten sich auch contrahiren.
Bei aller Ueberlegenheit den Chlorzinkcementen gegenĂŒber zeigen also die Zinkphosphate doch eine solche Anzahl schlechter Eigenschaften, dass wir nur möglichst wenig Gebrauch von ihnen machen sollten; wenn es die UmstĂ€nde sonst zulassen, werden wir Cement deshalb nur verwenden in FrontzĂ€hnen, wo Gold aus irgend einem Grunde contraindicirt ist, da wir hier ja auch Amalgam seiner ungeeigneten Farbe wegen nicht anwenden dĂŒrfen. Doch zwingen uns die UmstĂ€nde mitunter, es auch in anderen FĂ€llen zu verwenden, so bei grossen Höhlen mit dĂŒnnen WĂ€nden und bei schwer erreichbaren CavitĂ€ten, wo wir Unterschnitte zur Befestigung einer GoldfĂŒllung anzubringen nicht imstande sind. Da das Cement an der trockenen Zahnbeinwand leicht und gut adhĂ€rirt, brauchen wir bei seiner Verwendung die CavitĂ€t ĂŒberhaupt nicht zu unterschneiden.
Andererseits dĂŒrfen wir uns aber auf die adhĂ€rirenden Eigenschaften des Cementes nicht zu sehr verlassen und nicht etwa versuchen, dĂŒnne WĂ€nde damit vor dem Abspringen bewahren zu wollen, dass wir sie mit einer CementfĂŒllung festhalten.
Das Material wurde dann auch zur Ueberkappung freigelegter Pulpen empfohlen, allerdings nur von wenigen. Es kann davon nur ganz entschieden abgerathen werden; einmal hat es vor dem zu diesem Zwecke so vorzĂŒglich geeigneten Fletchercement nicht nur nichts voraus, sondern steht ihm in Bezug auf leichte Verarbeitung und Adaptionsvermögen noch ganz bedeutend nach; dann aber geben alle Phosphatcemente bei BerĂŒhrung mit feuchten Körpern (Pulpa, poröses feuchtes Zahnbein) leicht etwas freie PhosphorsĂ€ure an diese ab, da wir ja beim Anreiben der Cemente keine RĂŒcksicht auf die chemischen VerhĂ€ltnisse nehmen, in welchen sich FlĂŒssigkeit und Pulver des Cementes wirklich binden, sondern einfach nach GutdĂŒnken mischen, wobei selten alle SĂ€ure gesĂ€ttigt wird. So sind die Phosphatcemente, wie wir spĂ€ter noch sehen werden, imstande, eine Aetzwirkung auszuĂŒben, die hĂ€ufig genug so stark ist, dass die Pulpa unter der FĂŒllung abstirbt, beziehungsweise dass eine totale EntzĂŒndung derselben mit Ausgang in GangrĂ€n eintritt. Bei Besprechung des Fletchercementes wurde schon auf diesen Umstand hingewiesen und empfohlen, in solchen FĂ€llen, wo die CavitĂ€t bis in die NĂ€he der Pulpa geht, eine Unterlage von Fletchercement zu machen und darĂŒber erst Phosphatcement zu fĂŒllen.
Die Versuchung ist meist gross, Phosphatcement auch da anzuwenden, wo es eigentlich nicht am Platze ist; so bei grossen CavitĂ€ten an Bicuspidaten und Molaren, wo Amalgam oder Zinngold sich immer eher eignen, natĂŒrlich aber eine etwas sorgsamere PrĂ€paration der Höhle verlangen. In FrontzĂ€hnen mĂŒssen wir hĂ€ufig auf Wunsch der Patienten Cement an Stelle von Gold nehmen, da ihnen die Farbe und der Preis des letzteren oft nicht conveniren. Phosphatcement findet mit Vortheil Verwendung zu FĂŒllungen mehr provisorischer Natur, also in MilchzĂ€hnen und bleibenden ZĂ€hnen, bei denen wir den Wurzelcanal behandelt haben; " hier wird es immer gut sein, mit der EinfĂŒhrung einer dauerhaften (Gold-) FĂŒllung einige Monate lang zu warten, um zu sehen, ob die Wurzelhaut auch gesund bleibt.
Aus zur Befestigung von StiftzĂ€hnen wird das Material viel verwendet, obwohl es sich bei dieser Verwendung nur ziemlich bewĂ€hrt, jedenfalls nicht so gut wie die zum gleichen Zwecke verwendete Guttapercha. Ein Mittel zur Befestigung der StiftzĂ€hne soll so beschaffen sein, dass es dem eingesetzten Zahn nach Möglichkeit eine geringe BewegungsfĂ€higkeit gestattet; sonst kommt es leicht vor, dass die Porzellankrone des Stiftzahnes zersprengt, beziehungsweise weggebissen wird und nur der Stift im Canal zurĂŒckbleibt, der dann recht schwer zu entfernen ist. Ist das Befestigungsmittel etwas nachgiebig, elastisch, wie z. B. die Guttapercha, so wird ein solcher Uebelstand nicht so leicht eintreten können. Man kommt deshalb von der Benutzung der Phosphate zu diesem Zwecke mehr und mehr ab; ebenso von ihrer Verwendung zu WurzelfĂŒllungen, wofĂŒr immer noch einige plaidiren. Auch hierfĂŒr ist die Guttapercha oder das Chlorzinkcement entschieden viel geeigneter, wie man sich leicht durch einige Versuche ĂŒberzeugen kann; wĂ€hrend es ein Leichtes ist, die letztgenannten Materialien in den Wurzelcanal einzufĂŒhren, bietet die EinfĂŒhrung von dĂŒnn angerĂŒhrtem Phosphatcement meist recht grosse Schwierigkeiten; das Material haftet wohl sehr gut am Instrument, um so schlechter aber dafĂŒr an den Canal-wĂ€nden, wenn diese nicht absolut trocken sind.
Zur Befestigung von Porzellan- und GlasfĂŒllungen verwenden wir Cement mit Vortheil; auch zur Befestigung von Kronen, BrĂŒckenarbeiten und eventuell von Vorrichtungen zu Richtzwecken (GoldbĂ€ndern etc.).
Dann wurde Phosphatcement empfohlen als Unterlage bei AmalgamfĂŒllungen, beziehungsweise zur Befestigung dieser, wenn die CavitĂ€t zu flach und schwer erreichbar, so dass man nicht imstande ist, Unterschnitte anzulegen. Man fĂŒllt dann erst etwas weiches Phosphatcement ein und bringt sogleich ein StĂŒckchen Amalgam darauf, beziehungsweise drĂŒckt es in das weiche Cement hinein; nach dem HĂ€rten des Cementes fĂŒllt man dann mit Amalgam weiter. Das Cement bewirkt dann durch AdhĂ€sion den Halt der FĂ€llung an der Zahnwand, das Amalgam wird im Cement gehalten. Die Erfahrung ĂŒber diese Art combinirter FĂŒllungen ist bis jetzt noch keine so grosse, um ein definitives Urtheil ĂŒber ihre Brauchbarkeit zu gestatten; doch scheint die Methode empfehlenswerth und dĂŒrfte jedenfalls werth sein, weiter versucht zu werden. In Ă€hnlicher Weise wird Phosphatcement auch als Unterlage, beziehungsweise zur Befestigung von GoldfĂŒllungen empfohlen, in flachen Höhlen namentlich, wenn das Dentin zu schmerzhaft, um das Anlegen von Unterschnitten zu gestatten. Man bringt etwas von einem rasch hart werdenden und möglichst zĂ€hen, nicht bröckelnden Cement auf den Boden der CavitĂ€t (das Cement muss ziemlich weich angerĂŒhrt werden, damit es gut an der Zahnwand klebt) und drĂŒckt dann gleich ein grösseres StĂŒckchen cohĂ€sives Gold in das weiche Cement hinein, jedoch vorsichtig, damit das StĂŒckchen nicht vollkommen vom Cement eingehĂŒllt wird. Nach ErhĂ€rten des Phosphatcementes wird dann condensirt und mit Gold weiter gefĂŒllt.
Ein grosser Nachtheil der CementfĂŒllungen ist die rasche AbnĂŒtzung besonders an den ApproximalflĂ€chen, wenn zugleich ein Theil der Kaukante fehlt.
In der Absicht, diese schnelle AbnĂŒtzung der Phosphatcemente etwas zu verhindern, hat man in verschiedener Weise versucht, das Cement mit Metall zu vereinigen und es dadurch hĂ€rter zu machen. Die Hauptmethoden hierfĂŒr sind folgende:
1. Man fĂŒgt dem Cement beim AnrĂŒhren MetallspĂ€ne (Amalgamfeilung u. dergl.) bei, diese verbinden sich mit dem Cement ziemlich gut, indem sie von der SĂ€ure etwas angeĂ€tzt und rauh werden, so dass das Ganze nachher eine ziemlich homogene Masse bildet. Die Methode wird namentlich in Amerika viel geĂŒbt, wĂ€hrend in Deutschland die folgende mehr AnhĂ€nger hat.
2. Man prĂ€parirt Amalgam in der gewöhnlichen Weise, wie man es zur FĂŒllung verarbeitet, doch nicht mit zu viel und auch nicht mit zu wenig Quecksilber (ist ein Ueberschuss von Quecksilber vorhanden, so wird die Combination nachher nicht ordentlich hart, ist zu wenig da, so wird alles bröckelig und die verschiedenen Theile verbinden sich nachher beim Ver mischen mit Cement nicht). Dann rĂŒhrt man Cement an, ebenfalls in der Weise, wie man es fĂŒr eine FĂŒllung braucht, und knetet nun das angerĂŒhrte Amalgam in das angerĂŒhrte Cement mit einem krĂ€ftigen Spatel hinein, etwa gleiche Theile Amalgam und Cement oder etwas mehr von letzterem. Die combinirte Masse bildet ein sehr schön homogenes Gemenge; wenn Klagen darĂŒber laut wurden, dass die OberflĂ€che von daraus hergestellten FĂŒllungen durch Auflösen des Cement es der obersten Schichten sehr bald rauh wĂŒrden, so muss das auf eine ungenĂŒgende Vermischung beider Materialien bezogen werden; die Abnutzung ist eine vollkommen gleichmĂ€ssige und die Ober flĂ€che bleibt dabei immer glatt, fast so wie bei reinen CementfĂŒllungen. wenn die Mischung vorschriftsmĂ€ssig hergestellt wird.
Dies »Cementamalgam« hat vor dem Cement den grossen Vorzug, dass es sich nicht so schnell abnutzt als dieses, vor dem Amalgam den Vorzug, dass es besser an den CavitĂ€tenwĂ€nden haftet und dass es weiterhin nicht ein so guter WĂ€rmeleiter ist. Wir verwenden deshalb Cementamalgam mit Vorliebe in solchen CavitĂ€ten an BackenzĂ€hnen, wo wir eventuell geneigt wĂ€ren, Cement zu verwenden, und dĂŒrfen dann erwarten, bessere Resultate zu erzielen als mit Cement allein. Allerdings ist die Erfahrung ĂŒber die wirkliche Brauchbarkeit derartig combinirter FĂŒllungsmaterialien noch keine langjĂ€hrige, doch ist man im allgemeinen mit den bis jetzt gewonnenen Resultaten zufrieden. So wie Phosphatcement darf auch Amalgamcement nur in absolut trocken gehaltene CavitĂ€ten eingebracht werden.
Ganz neuerdings wird unter dem Namen »Binolith« ein CementprÀparat in den Handel gebracht, bei welchem das Pulver mit Metallfeilung durchsetzt ist, die Pasta zugleich Quecksilber enthÀlt, so dass sich beim Verreiben Cement und Amalgam nebeneinander bilden.
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