

Wein
Wein - GĂ€hrung - Industrie - Restzucker und Alkoholgehalt - Inhaltsstoffe - Weinkrankheiten - Weinvermehrung und Weinverbesserung - Schaumweine - SĂŒĂweine - Schwefeln - Weinfarbstoffe - Nachweismethoden - GesamtsĂ€uregehalt - Obstwein - Medizinische Anwendung - Literatur
Wein ist das aus dem Safte der Weintrauben durch alkoholische GĂ€hrung und nachherige KlĂ€rung erhaltene GetrĂ€nk. Die zahlreichen und verschiedenen Manipulationen, die bei der Herstellung des Weines in Anwendung kommen, fĂŒhrten zur Unterscheidung von »Naturwein« und »Wein« schlechtweg. Unter ersterem versteht man den kunst-und gewerbegerecht vergohrenen und geklĂ€rten Traubensaft, unter letzterem »ein aus Trauben saft nach den Regeln der Kunst bereitetes wohlschmeckendes GetrĂ€nk. ThatsĂ€chlich unterscheidet man: absolut reinen oder Naturwein, der unter der ĂŒblichen Kellerbehandlung aus reinem Traubenmost hervorgegangen ist, dann Wein âgallisirten oder gemischten Wein, der aber nicht als verfĂ€lscht gilt und schliesslich verfĂ€lschten Wein, der, aus verschiedenen Stoffen hergestellt, entweder allein oder mit »Naturwein« oder »Wein« verschnitten, in den Verkehr gesetzt wird.
Wenn auch der Alkohol den physiologisch wichtigsten Bestandtheil des Weines bildet, so wird doch der Werth des Weines als Genussmittel und als diĂ€tetisches Heilmittel nicht von dessen Gehalt an Alkohol allein be stimmt, sondern hĂ€ngt gleichzeitig von zahlreichen anderen Bestandtheilen ab. Namentlich sind es die Aetherarten, welche sich im Weine wĂ€hrend der GĂ€hrung bilden, der grössere oder gerirgere Gehalt an WeinsĂ€ure, Bern steinsĂ€ure etc., die phosphorsauren Alkalien als Bestandtheile der Asche, in anderen FĂ€llen wieder der relativ bedeutende Gehalt an Alkohol und Zucker, in Rothweinen ĂŒberdies der Gehalt an GerbsĂ€ure, welche den diĂ€tetischen Werth einer bestimmten Weinsorte bedingen.
Es ist naheliegend anzunehmen, dass die Wirkungen des reinen Alkohols in geringen Dosen, wie sie Binz (s. Alkohol) schildert, wenn der Alkohol in Form von Wein dem menschlichen Organismus zugefĂŒhrt wird, durch die verschiedenen Bestandtheile des Weines in mancher Hinsicht modificirt werden. Die das Gehirn und das Herz erregende Wirkung des verdĂŒnnten Alkohols wird durch die Bouquetstoffe des Weines nachhaltiger werden, so dass möglicherweise die Herabsetzung der InnenwĂ€rme des Körpers vermindert wird oder gar nicht zustande kommt. Die Magenverdauung befördernde Wirkung geringer Mengen verdĂŒnnten Alkohols kann durch den Gehalt des Weines an SĂ€uren und sauren Salzen unter UmstĂ€nden erheblich gesteigert werden. Die GerbsĂ€ure verleiht einigen Rothweinen zweifellos eine adstringirende Wirkung und auch den phosphorsauren Salzen des Weines wird eine hygienische Bedeutung zuerkannt.
Die QualitĂ€t des Weines ist je nach der Art der Trauben, nach der Zusammensetzung der Bodenart, auf dem sie wachsen, je nach der mittleren Temperatur des Standortes etc. Ă€usserst verschieden. Ueberdies wird der Wein durch eine grosse Anzahl von Manipulationen, die theils eine Steigerung der QualitĂ€t, theils eine kĂŒnstliche Vermehrung des durch die Natur gebotenen Productes, theils ein gefĂ€lligeres Aussehen desselben bezwecken, »nach den Regeln der Kunst und Wissenschaft« (C. Neubauer) in so mannigfacher Weise verĂ€ndert auch in Hinsicht auf seinen hygienischen Werth, dass Aerzte, welche in die Lage kommen, den Weinverbrauch in grösseren Heilanstalten oder bei grossen TrĂŒppenkörpern zu ĂŒberwachen, auch der praktische Arzt, welcher bei verschiedenen chronischen Affectionen und in der Reconvalescenz nach schweren Krankheiten den Wein möglichst nutzvoll verwerthen will, eine seinen Zwecken entsprechende Kenntniss von der Beschaffenheit der verschiedenen Naturweine und der durch die verschiedenen Manipulationen verĂ€nderten Weine bedarf.
Nur Weniges möge hier ĂŒber die Eigenschaften der Traube, beziehungsweise des Traubensaftes (Most) als des Ausgangspunktes des Weines vorausgeschickt werden. Die reife Traube besteht aus den Beeren und den KĂ€mmen. Die Beere enthĂ€lt den Traubensaft, nach dessen Entleerung die Kerne und Schalen zurĂŒckbleiben. Der Traubensaft ist mit Ausnahme einiger weniger Sorten, welche man PĂ€rbetrauben nennt (wie z. B. die Lagreiner Traube in SĂŒd-Tirol), durchgehends farblos. Der Farbstoff des rothen Weines ist in den Schalen der blauen und rothen Trauben zugleich neben GerbsĂ€ure enthalten, und tritt mit dieser erst wĂ€hrend der GĂ€hrung des Mostes als ein in saurem Alkohol löslicher Körper in den Wein ĂŒber. Die Kerne enthalten ebenfalls GerbsĂ€ure und ein fettes Oel, welches namentlich fĂŒr die Bildung des Weinbouquets von Belang ist. Die KĂ€mme enthalten neben Cellulose viel GerbsĂ€ure und freie PflanzensĂ€ure, namentlich WeinsĂ€ure und AepfelsĂ€ure. Die Bestandtheile des Mostes wechseln bei derselben Traubensorte je nach der Witterung des Jahrganges ganz bedeutend, wie folgendes Beispiel nach den Analysen von C. Neubauer lehrt:
Es bildet den nach der Menge wichtigsten Bestandtheil des Traubensaftes der Traubenzucker, richtiger Invertzucker, neben welchem nach Hilger auch Inosit in sehr geringer Menge vorkommen soll. FĂŒr die Beschaffenheit des Weines ist der Gehalt des Mostes an freier SĂ€ure in seinem VerhĂ€ltniss zum Gehalt an Zucker von grosser Wichtigkeit. Die freie SĂ€ure des Mostes besteht zumeist aus WeinsĂ€ure, in schlechten Jahren zum Theil auch aus AepfelsĂ€ure. Die Schwankungen des Gehaltes der wichtigsten Bestandtheile und des VerhĂ€ltnisses von SĂ€ure und Zucker zeigt die obige Tabelle. Im Jahre 1868 enthielt der Most 23, 56%Zucker, im Jahre 1869 nur 16, 67%; im ersteren besseren Weinjahre war das VerhĂ€ltniss von SĂ€ure zu Zucker wie 1: 51; im schlechteren Weinjahre dagegen wie 1: 21. FĂŒr die Bildung eines guten Weines soll der Gehalt an freier SĂ€ure im Most nicht ĂŒber 5%0 betragen. Die N-Substanz ist vorwiegend Eiweiss. Die Asche ist besonders reich an PhosphorsĂ€ure, Kali und Kalk.
Wenn auch der Alkohol den physiologisch wichtigsten Bestandtheil des Weines bildet, so wird doch der Werth des Weines als Genussmittel und als diĂ€tetisches Heilmittel nicht von dessen Gehalt an Alkohol allein be stimmt, sondern hĂ€ngt gleichzeitig von zahlreichen anderen Bestandtheilen ab. Namentlich sind es die Aetherarten, welche sich im Weine wĂ€hrend der GĂ€hrung bilden, der grössere oder gerirgere Gehalt an WeinsĂ€ure, Bern steinsĂ€ure etc., die phosphorsauren Alkalien als Bestandtheile der Asche, in anderen FĂ€llen wieder der relativ bedeutende Gehalt an Alkohol und Zucker, in Rothweinen ĂŒberdies der Gehalt an GerbsĂ€ure, welche den diĂ€tetischen Werth einer bestimmten Weinsorte bedingen.
Es ist naheliegend anzunehmen, dass die Wirkungen des reinen Alkohols in geringen Dosen, wie sie Binz (s. Alkohol) schildert, wenn der Alkohol in Form von Wein dem menschlichen Organismus zugefĂŒhrt wird, durch die verschiedenen Bestandtheile des Weines in mancher Hinsicht modificirt werden. Die das Gehirn und das Herz erregende Wirkung des verdĂŒnnten Alkohols wird durch die Bouquetstoffe des Weines nachhaltiger werden, so dass möglicherweise die Herabsetzung der InnenwĂ€rme des Körpers vermindert wird oder gar nicht zustande kommt. Die Magenverdauung befördernde Wirkung geringer Mengen verdĂŒnnten Alkohols kann durch den Gehalt des Weines an SĂ€uren und sauren Salzen unter UmstĂ€nden erheblich gesteigert werden. Die GerbsĂ€ure verleiht einigen Rothweinen zweifellos eine adstringirende Wirkung und auch den phosphorsauren Salzen des Weines wird eine hygienische Bedeutung zuerkannt.
Die QualitĂ€t des Weines ist je nach der Art der Trauben, nach der Zusammensetzung der Bodenart, auf dem sie wachsen, je nach der mittleren Temperatur des Standortes etc. Ă€usserst verschieden. Ueberdies wird der Wein durch eine grosse Anzahl von Manipulationen, die theils eine Steigerung der QualitĂ€t, theils eine kĂŒnstliche Vermehrung des durch die Natur gebotenen Productes, theils ein gefĂ€lligeres Aussehen desselben bezwecken, »nach den Regeln der Kunst und Wissenschaft« (C. Neubauer) in so mannigfacher Weise verĂ€ndert auch in Hinsicht auf seinen hygienischen Werth, dass Aerzte, welche in die Lage kommen, den Weinverbrauch in grösseren Heilanstalten oder bei grossen TrĂŒppenkörpern zu ĂŒberwachen, auch der praktische Arzt, welcher bei verschiedenen chronischen Affectionen und in der Reconvalescenz nach schweren Krankheiten den Wein möglichst nutzvoll verwerthen will, eine seinen Zwecken entsprechende Kenntniss von der Beschaffenheit der verschiedenen Naturweine und der durch die verschiedenen Manipulationen verĂ€nderten Weine bedarf.
Nur Weniges möge hier ĂŒber die Eigenschaften der Traube, beziehungsweise des Traubensaftes (Most) als des Ausgangspunktes des Weines vorausgeschickt werden. Die reife Traube besteht aus den Beeren und den KĂ€mmen. Die Beere enthĂ€lt den Traubensaft, nach dessen Entleerung die Kerne und Schalen zurĂŒckbleiben. Der Traubensaft ist mit Ausnahme einiger weniger Sorten, welche man PĂ€rbetrauben nennt (wie z. B. die Lagreiner Traube in SĂŒd-Tirol), durchgehends farblos. Der Farbstoff des rothen Weines ist in den Schalen der blauen und rothen Trauben zugleich neben GerbsĂ€ure enthalten, und tritt mit dieser erst wĂ€hrend der GĂ€hrung des Mostes als ein in saurem Alkohol löslicher Körper in den Wein ĂŒber. Die Kerne enthalten ebenfalls GerbsĂ€ure und ein fettes Oel, welches namentlich fĂŒr die Bildung des Weinbouquets von Belang ist. Die KĂ€mme enthalten neben Cellulose viel GerbsĂ€ure und freie PflanzensĂ€ure, namentlich WeinsĂ€ure und AepfelsĂ€ure. Die Bestandtheile des Mostes wechseln bei derselben Traubensorte je nach der Witterung des Jahrganges ganz bedeutend, wie folgendes Beispiel nach den Analysen von C. Neubauer lehrt:
| Jahrgang | Wasser % | Stickstoff- substanz % | Zucker % | SĂ€ure % | Sonstige N-freie Extrakt- stoffe | Asche % | |
| Hattenheimer Most | 1868 | 69, 22 | 0, 19 | 23, 56 | 0, 46 | 5, 43 | 0, 44 |
| â â | 1869 | 76, 80 | 0, 33 | 16, 67 | 0, 79 | 5, 17 | 0, 24 |
Es bildet den nach der Menge wichtigsten Bestandtheil des Traubensaftes der Traubenzucker, richtiger Invertzucker, neben welchem nach Hilger auch Inosit in sehr geringer Menge vorkommen soll. FĂŒr die Beschaffenheit des Weines ist der Gehalt des Mostes an freier SĂ€ure in seinem VerhĂ€ltniss zum Gehalt an Zucker von grosser Wichtigkeit. Die freie SĂ€ure des Mostes besteht zumeist aus WeinsĂ€ure, in schlechten Jahren zum Theil auch aus AepfelsĂ€ure. Die Schwankungen des Gehaltes der wichtigsten Bestandtheile und des VerhĂ€ltnisses von SĂ€ure und Zucker zeigt die obige Tabelle. Im Jahre 1868 enthielt der Most 23, 56%Zucker, im Jahre 1869 nur 16, 67%; im ersteren besseren Weinjahre war das VerhĂ€ltniss von SĂ€ure zu Zucker wie 1: 51; im schlechteren Weinjahre dagegen wie 1: 21. FĂŒr die Bildung eines guten Weines soll der Gehalt an freier SĂ€ure im Most nicht ĂŒber 5%0 betragen. Die N-Substanz ist vorwiegend Eiweiss. Die Asche ist besonders reich an PhosphorsĂ€ure, Kali und Kalk.
Wein - GĂ€hrung - Industrie - Restzucker und Alkoholgehalt - Inhaltsstoffe - Weinkrankheiten - Weinvermehrung und Weinverbesserung - Schaumweine - SĂŒĂweine - Schwefeln - Weinfarbstoffe - Nachweismethoden - GesamtsĂ€uregehalt - Obstwein - Medizinische Anwendung - Literatur
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